Vielleicht fragst du dich gerade: Ein Fotograf, der sich mit KI beschäftigt? Ist das nicht so, als würde der Bäcker plötzlich Brotbackautomaten verkaufen? Kurze Antwort: nein. Ausführliche Antwort: dieser Beitrag. Denn ich habe in den letzten Wochen vier Praxis-Guides zu Claude KI geschrieben, und ich finde, ihr habt eine Erklärung verdient, warum ausgerechnet jemand, der seit Jahrzehnten mit Licht, Linsen und Menschen arbeitet, plötzlich über Prompts, Skills und Connectors schreibt.
Vom Diakasten zur KI – ich war schon immer der mit dem neuen Spielzeug
Meine Begeisterung für Bilder hat in der Kindheit begonnen, mit Fotoalben und Diakästen, die ich mit allem gefüllt habe, was mir vor die Linse kam. Dann kam die digitale Fotografie, dann Photoshop, mit dem ich inzwischen seit über zwanzig Jahren arbeite, dann rund siebzehn Jahre als Mediendesigner für eine Agentur, dann der Schritt in die Selbstständigkeit als Fotograf und seit 2024 netpixel.at als Fotografie- und Werbeagentur im Vollerwerb. Dazu kommen die Arbeit als Kameramann und Cutter fürs Regionalfernsehen und über zehn Jahre Workshops im ganzen deutschsprachigen Raum.
Wenn ich auf diesen Weg zurückschaue, zieht sich eines durch: Jedes Mal, wenn ein neues Werkzeug aufgetaucht ist, haben die einen „Das ist das Ende der Fotografie!“ gerufen und die anderen haben einfach angefangen, damit zu arbeiten. Ich war meistens bei den anderen. Nicht, weil ich jedem Trend hinterherlaufe, sondern weil mich Technik schon immer neugierig gemacht hat. KI ist für mich der nächste Schritt in genau dieser Reihe, nur dass er diesmal etwas größer ausfällt.
Seit der Kindheit mit Kamera unterwegs, heute mit Fujifilm und KI im Werkzeugkasten.
Der eigentliche Grund: Zeit für das, was ich wirklich liebe
Jetzt kommt der unromantische Teil. Mein Job besteht nicht nur aus schönen Shootings und spannenden Drehtagen. Er besteht auch aus Angeboten, Mails, Rechnungen, Konzepten, Drehplänen, Social-Media-Texten, Kundenpräsentationen und dem einen Formular, das man immer genau dann ausfüllen muss, wenn draußen das perfekte Licht ist. Wer selbstständig ist, kennt das: Die kreative Arbeit ist der Teil, den man liebt, und der Büro-Teil ist der, der einem die Abende frisst.
Genau hier hat mich KI überzeugt. Nicht als Ersatz für meinen Blick oder mein Handwerk, sondern als Assistent, der mir die Routine vom Schreibtisch räumt. Vieles, was früher einen halben Abend gekostet hat, steht heute in einem Bruchteil der Zeit als sauberer Entwurf da, und ich muss nur noch prüfen und anpassen. Die gewonnene Zeit stecke ich dorthin, wo sie hingehört: hinter die Kamera, in den Schnitt und in Gespräche mit meinen Kunden.
Angebote, Mails, Termine und Checklisten: Routine darf gern die KI vorbereiten. (KI-generierte Illustration)
Vier Hüte, ein Kopf: wo mir KI im Alltag hilft
Ich arbeite nicht nur als Fotograf, sondern auch als Mediendesigner, Werbeagentur und Filmemacher. Das sind vier sehr unterschiedliche Welten, und in jeder davon nimmt mir KI andere Dinge ab.
Als Fotograf bereite ich mit KI Shootings vor: Shotlisten, Ablaufpläne, Checklisten für Hochzeiten oder Businesstermine und Texte für Kundengalerien. Die Fotos selbst entstehen weiterhin mit Kamera, Licht und Gefühl.
Als Mediendesigner nutze ich KI als Sparringspartner für Ideen und Konzepte, für erste Textentwürfe und für die mühsamen Varianten, die jedes Projekt irgendwann braucht.
Als Werbeagentur helfen mir KI-Werkzeuge bei Content-Plänen, Social-Media-Texten, Newsletter-Entwürfen und Auswertungen, also bei allem, wofür kleine und mittlere Unternehmen oft keine eigene Marketingabteilung haben.
Als Filmemacher plane ich mit KI Drehbücher, Interviewfragen und Storyboards, lasse mir Untertitel vorbereiten und strukturiere Material, bevor ich mich in den Schnitt setze.
Das Spannende daran: In allen vier Bereichen bleibt die eigentliche Entscheidung bei mir. KI liefert Vorschläge, ich sage, was davon taugt.
Vom Storyboard bis zum Untertitel: KI als Assistent im Filmalltag. (KI-generierte Illustration)
Warum Guides – und warum gratis?
Weil ich immer öfter gefragt werde. In Workshops, bei Kundengesprächen und mittlerweile auch ganz nebenbei beim Kaffee. Die Fragen sind fast immer dieselben: Welches Abo brauche ich? Wie schreibe ich einen Prompt, der nicht nach Maschine klingt? Was sind Skills, Plugins und Connectors, und brauche ich das überhaupt? Und wie fange ich an, ohne mich zwischen Fachbegriffen und wöchentlich neuen Funktionen zu verlieren?
Die Informationen dazu gibt es zwar irgendwo im Netz, aber verstreut, oft auf Englisch und selten aus der Sicht von jemandem, der nebenbei noch ein Unternehmen führt. Also habe ich aufgeschrieben, was ich in Workshops und Coachings immer wieder erkläre, und zwar so, wie ich es selbst gerne gelesen hätte: praxisnah, ohne Technik-Kauderwelsch und mit vielen Vorlagen zum Kopieren.
Und ja, es gibt noch einen nüchternen Grund. Ich bin überzeugt, dass KI unsere Branche verändert, ob wir das wollen oder nicht. Wer sie ignoriert, wird früher oder später abgehängt. Ich gestalte diese Veränderung lieber selbst mit, als mich von ihr überrollen zu lassen, und ich möchte möglichst viele Kreative und Unternehmer mitnehmen.
Aus einem meiner Workshops. Die Fragen zur KI werden dort immer häufiger. (Foto: Christoph Mühlböck)
Was KI nicht kann – und auch nie können muss
So begeistert ich von den Möglichkeiten bin, eines ist mir wichtig: KI ist für mich ein Werkzeug und kein Ersatz. Sie kann kein Licht lesen, keinen Moment spüren, keinen nervösen Menschen vor der Kamera zum Lachen bringen und keine Geschichte erzählen, die sie nicht kennt. Der Blick, das Gefühl für den richtigen Augenblick und das Handwerk bleiben beim Menschen.
Deshalb gilt bei mir auch in Zeiten von KI eine klare Regel: Menschen, Gesichter, Kleidung, Mimik, Licht und Hintergrund in Kundenfotos werden niemals ungefragt verändert. Technische Korrekturen ja, gezielt und sauber. Aber ein Foto bleibt ein Foto, und ein Mensch bleibt der Mensch, der er ist. KI-generierte Bilder, wie die Illustrationen in diesem Beitrag, kennzeichne ich als solche.
Was dich in den Guides erwartet
Insgesamt sind es vier Guides mit rund 75 Seiten:
- Claude KI in der Praxis – der Grundlagen-Guide: was Claude ist, welches Abo du brauchst, wie du in 15 Minuten startklar bist, wie du gute Prompts schreibst, 25 Prompt-Vorlagen und ein 30-Tage-Plan. Gratis und ohne Anmeldung.
- Die 20 besten Skills, Plugins und Connectors – drei vertiefende Bonus-Guides, die dir je 20 Werkzeuge von der Installation bis zur Anwendung erklären. Gratis nach der Newsletter-Anmeldung.
Ein kleines Herzstück ist das Bildaufbau-Prinzip: Ein guter Prompt funktioniert wie ein gutes Foto. Motiv, Licht, Perspektive, Bildformat und Look werden bewusst gewählt, statt alles der Automatik zu überlassen. Wer fotografiert, versteht das sofort.
Zum Schluss
Ich habe diese Guides nicht geschrieben, weil ich der Meinung bin, dass KI die Fotografie, den Film oder das Design ersetzt. Ich habe sie geschrieben, weil ich glaube, dass sie uns Kreativen mehr Raum für genau diese Dinge verschaffen kann, wenn wir lernen, sie richtig einzusetzen. Wenn du dabei Unterstützung möchtest, findest du auf netpixel.at auch Workshops und Einzelcoachings dazu.
Schreib mir gerne, wie du KI im Alltag nutzt, oder warum du es (noch) nicht tust. Ich bin gespannt.
Euer Reinhard aka netpixel.at
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