2025 war so ein Jahr, das nie offiziell „losgeht“, sondern dich einfach an der Jacke packt und mitnimmt. Kein sanftes Warmwerden, kein gemütlicher Start. Eher dieses klassische „Ich mach nur schnell…“, das man sagt, bevor man drei Stunden später in einem Ordner namens „FINAL_final_3_wirklichfinal“ sitzt, mit einem Kaffee, der schmeckt wie Reue, und einem Blick, der ungefähr sagt: Das war jetzt also der Plan.
Es gab Tage, da war ich mir sicher, ich habe mehr Zeit im Schnittprogramm verbracht als im echten Leben. Was fair ist, wenn man bedenkt, dass das echte Leben manchmal genauso aussieht wie ein Schnittprogramm. Viele Spuren, wenig Übersicht, irgendwer redet rein, irgendwo fehlt ein Teil, plötzlich hängt alles, dann läuft wieder alles zu schnell. Genau so.
netpixel.at war dabei nicht „die Arbeit“, netpixel.at war 2025 eher so etwas wie mein zweites Nervensystem. Da läuft Fotografie, da läuft Retusche, da läuft Storytelling, da läuft dieses ständige Versprechen an mich selbst, dass ein Bild mehr sein soll als „eh schön“. Wenn du mich kennst, weißt du auch: „eh schön“ ist bei mir gefährlich nah an „unfertig“. Ein Bild muss etwas können. Es muss hängen bleiben, es muss nachklingen, es muss dich kurz aus deinem Alltag rausziehen, selbst wenn du nur schnell am Handy durchscrollst, während die Nudeln überkochen.
Das Problem an diesem Anspruch ist nur: Der Anspruch sitzt immer mit am Tisch. Auch abends. Auch am Wochenende. Auch dann, wenn man eigentlich „nur schnell“ die Speicherkarten sichern will und plötzlich merkt, dass man wieder dabei ist, eine ganze Geschichte zu bauen, statt einfach nur Dateien zu kopieren. 2025 war voll von solchen Momenten. Eines führt zum nächsten, dann ist es nicht mehr ein Job, sondern ein kleines Universum.
Ein riesiger Teil von 2025 war HT1. Regionales Fernsehen klingt auf dem Papier oft so harmlos, so nach „ein bisschen berichten“. In Wahrheit ist es das Gegenteil: Du kannst nicht schummeln. Da stehen keine Schauspieler herum, die auf Kommando Emotionen liefern. Da gibt es echte Menschen, echte Orte, echte Stimmung. Wenn du das mit einer Kamera begleitest, merkst du schnell: Es reicht nicht, draufzuhalten. Du musst zuhören, du musst fühlen, du musst die Kurve finden zwischen „schönes Bild“ und „stimmt das auch?“.
Es gab heuer Drehs, die sich anfühlten wie ein kleiner Roadtrip durch das, was unsere Region ausmacht. Musik, Brauchtum, Advent, Begegnungen. Dinge, die man nicht künstlich aufblasen muss, weil sie sowieso wirken, wenn man sie respektvoll erzählt.
ProBass in Kallham war so ein Abend, der mich wieder daran erinnert hat, wie stark Musik sein kann, wenn sie nicht geschniegelt daherkommt, sondern einfach passiert. Da sitzt Publikum, da sind Menschen, da ist dieses leise Staunen, wenn etwas gut ist. Du stehst mit der Kamera da und willst nicht stören, willst aber auch nichts verpassen. Das ist die ewige Balance: präsent sein, ohne im Weg zu stehen. Danach kommt der Schnitt und dort zeigt sich, ob man wirklich aufgepasst hat oder nur „schöne Einstellungen“ gesammelt hat.
Kopfing, Waldweihnacht. Allein das Wort klingt schon nach Lichterketten und kalten Fingern, nach diesem speziellen Adventgeruch aus Wald und Punsch und „ich geh nur kurz schauen“. Das fliegende Christkind ist so ein Moment, den man eigentlich nicht erklären sollte, weil jede Erklärung weniger ist als das Erlebnis. Solche Dinge sind heikel zu filmen, weil sie schnell kitschig werden könnten. Kitsch passiert immer dann, wenn man Stimmung erzwingen will. Stimmung lässt sich nicht zwingen, sie ist da oder sie ist weg. 2025 war sie da. Meine Aufgabe war, sie nicht kaputt zu machen.
Andorf hatte im Dezember auch wieder diese besondere Mischung aus „wir kommen zusammen“ und „wir machen was draus“. Das Christkind, die Fotoecke, dieses freundliche Chaos, bei dem alle irgendwie gleichzeitig da sind. Dann der Perchtenlauf. Feuer, Rauch, Glocken, Gänsehaut. Es schaut brutal aus, es klingt brutal, gleichzeitig steckt da ganz oft etwas sehr Gutes dahinter, weil es um Charity geht und darum, dass man nicht nur für sich selbst Lärm macht. So ein Abend ist als Beitrag schnell erzählt, aber in Wirklichkeit ist er ein kleines Orchester aus Eindrücken. Wenn du daheim sitzt und schneidest, merkst du, dass du nicht nur Bilder aneinanderreihst, sondern einen Abend rekonstruierst, der für viele Menschen echt war.
Zwischendurch hat 2025 mir dann auch noch diesen freundlichen Tritt gegeben, der sagt: Schreib. Nicht später. Nicht irgendwann. Jetzt.
Bücher haben eine ganz eigene Art, dich zu testen. Eine Kamera verzeiht dir manchmal einen schlechten Tag, ein Buch nicht. Ein Buch ist gnadenlos, weil du nicht einfach „noch schnell eine gute Einstellung“ drehen kannst. Du musst hinsitzen, du musst die Gedanken sortieren, du musst dich durchbeißen, auch wenn der Kopf schon müde ist. 2025 war deswegen ein Buchjahr, aber nicht so romantisch wie das klingt. Eher so: viele Seiten, viele Zweifel, viel „das kann ich doch nicht so schreiben“, dann doch schreiben, dann lachen, dann wieder umwerfen, dann wieder schreiben.
Dabei ist mir etwas klar geworden, das ich dir ehrlich sagen will: Das meiste, was gut aussieht, ist vorher chaotisch. Das gilt für ein Foto. Das gilt für einen Filmbeitrag. Das gilt für ein Buch. 2025 war chaotisch. 2025 war gut.
Es gab außerdem diese kleinen, fiesen Nebenrollen, die keiner im Abspann sieht. Speicherkarten, die genau dann „voll“ sind, wenn es spannend wird. Akkus, die sich anfühlen, als hätten sie ein eigenes Privatleben, in dem sie heimlich nachts leer werden. Festplatten, die plötzlich Geräusche machen, die ein Mensch nicht hören will, wenn sein Herz an Daten hängt. Dann sitzt du da, tust so, als wärst du ganz ruhig, und redest innerlich mit Technik wie mit einem störrischen Esel. 2025 war voll von diesen Dialogen. Ich hätte dafür eigentlich Untertitel gebraucht.
Trotzdem war es nicht nur Arbeit, nicht nur Output, nicht nur Projekte. 2025 hatte auch diese stillen Momente, die man nicht postet, die aber alles tragen. Der Moment nach einem Dreh, wenn du im Auto sitzt und plötzlich Ruhe ist. Der Moment, wenn ein Schnitt passt und du spürst: Jetzt stimmt es. Der Moment, wenn du merkst, dass du etwas erzählt hast, das den Menschen gerecht wird.
Jetzt kommt der Teil, den ich bewusst ans Ende stelle, obwohl er in Wahrheit immer am Anfang steht.
Familie ist bei mir nicht „Privatleben nebenbei“. Familie ist der Grund, warum alles andere überhaupt Sinn ergibt.
Bianca, meine Frau, ist die Person, die mein kreatives Chaos nicht nur überlebt, sondern oft sogar elegant umlenkt, bevor es gegen die Wand fährt. Ein Funfact, der eigentlich alles über uns erklärt: Bianca und ich haben uns vor 28 Jahren beim Rettungsdienst kennengelernt. Romantischer wird es nicht. Andere haben Kerzenschein und Sonnenuntergang. Wir hatten Blaulicht und wahrscheinlich irgendwo im Hintergrund einen Funk, der „Einsatz“ gesagt hat. Das prägt. Da lernst du früh, dass man sich aufeinander verlassen muss, auch wenn es gerade stressig ist.
Viktoria hat 2025 im Rettungsdienst ein Praktikum gemacht und dort nicht nur mitgearbeitet, sondern wirklich Wurzeln geschlagen. Danach kam der nächste Schritt: Studium Ergotherapie. Das ist so ein Weg, bei dem du merkst, wie jemand in seine Aufgabe hineinwächst. Der schönste Teil daran ist: Sie ist trotzdem als Freiwillige beim Rettungsdienst geblieben. Das ist keine Pflicht, das ist Haltung. Da steckt Herz drin. Da steckt „ich will da sein“ drin.
Richard geht seinen Weg trotz gesundheitlicher Probleme. Keine Show, kein Drama, kein „schaut her“. Eher dieses stille Durchziehen, das mich oft daran erinnert, wie lächerlich manche meiner eigenen „Stressprobleme“ eigentlich sind. Es gibt eine Stärke, die nicht laut ist. Richard hat genau diese.
Ein kurzer Blick nach vorne gehört trotzdem noch dazu, weil heute, am 1. Jänner 2026, in Andorf offiziell das Jubiläumsjahr begonnen hat. 900 Jahre Andorf, 75 Jahre Markterhebung. Das ist groß, das ist historisch, das ist ein Jahr, das nach Geschichten ruft. Viel mehr will ich dazu gar nicht sagen, außer: Es wird ziemlich sicher etwas dazu von mir geben. Zuschauen ist nett. Erzählen liegt mir mehr. Etwas wird dazu von mir ziemlich sicher kommen. Zuschauen ist nett, erzählen ist eher mein Ding.
Wenn du 2025 mit mir unterwegs warst, als Kunde, als Zuschauer, als jemand, der teilt, kommentiert, mitliest oder einfach still unterstützt, dann danke ich dir ehrlich dafür. 2025 war voll. 2025 war manchmal irre. 2025 war echt.
2026 ist jetzt da. Der Akku ist geladen. Der Kaffee ist hoffentlich heiß. Der Ordner heißt trotzdem wieder „final_final“, weil man Traditionen ja auch pflegen muss.
Falls du mich irgendwo mit Kamera und zu viel Equipment siehst: Sprich mich an. Ich schaue manchmal konzentriert, aber ich bin harmlos. Meistens.
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